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Ephesus
Ephesus, auf türkisch "Efes" genannt, befindet sich im Westen der Türkei, etwa 6 km vom ägäischen Meer entfernt. Es liegt nahe bei der Stadt Selçuk, in dem sich auch das Ephesus-Museum befindet. Von Izmir, dem biblischen "Smyrna", ist Ephesus 74 km und von Mugla ungefähr 165 km entfernt. Da die Strassen recht gut ausgebaut sind, ist Ephesus von Mugla aus bequem zu erreichen.
Wann und von wem Ephesus gegründet wurde, ist nicht bekannt. Die ersten Informationen über Ephesus stammen aus dem 2. Jahrtausend v.Chr.. In einigen ältesten Quellen steht sogar, dass die Stadt von Amazonen gegründet worden sei. Bevor Ephesus unter den Römern um 27 v.Chr. zur Hauptstadt der Provinz Asia ernannt wurde, hatte es also schon eine lange Geschichte hinter sich. Auch wenn der größte Geschichtsschreiber der damaliegen Zeit, Aristides, zu sagen pflegte "Ephesus ist die Bank Asiens", so fand ihre bedeutenste Blütezeit jedoch erst im 1. und 2. Jh. n.Chr. statt. Mit einer Einwohnerzahl von 200.000 wurde es nach Alexandria die zweitgrößte Stadt des Ostens.
In neutestamentlicher Zeit war Ephesus die bedeutenste Metropole Kleinasiens. Die Stadt atmete den Geist der spätgriechischen internationalen Kultur und war mit Jerusalem und Athen eine der drei heiligsten Städte des Altertums. Mit dem Artemisium, dem Heiligtum der Artemis, war Ephesus zum Mittelpunkt östlicher Mysterien-Kulte und asiatischer Religionsausübung geworden. Ihr Artemistempel gehört zu den sieben Weltwundern. Da die Stadt zu Ehren des römischen Kaisers auch noch einen Tempel baute, wurde ihr zusätzlich vom römischen Senat der Ehrentitel "Tempelbewahrerin" verliehen.
Der Apostel Paulus besuchte Ephesus zweimal, zuerst von Korinth aus im Frühjahr 52 n.Chr. und dann von Herbst 52 bis Sommer 55. Zunächst predigte er drei Monate in der Synagoge. Als er dort aber auf Ablehnung stieß, trennte er sich mit den Jüngern von den Juden und redete 2 Jahre lang täglich im Lehrsaal des Tyrannus. Vermutlich ist Paulus auch noch ein drittes Mal in Ephesus gewesen (siehe 1.Tim.1,3). Das Theater, in das man die Reisegefährten des Paulus, Gajus und Aristarch, nach dem Aufstand des Silberschmieds Demetrius schleppte, läßt sich auch noch besichtigen. Dort kann man sich vor Augen malen, wie es geklungen haben mag, als die Epheser 2 Stunden lang geschrieen haben "Groß ist die Artemis der Epheser".
Auch wenn von Ephesus nur noch eine Ruinenstadt übrig geblieben ist, so kann man doch noch ihren ehemaligen Reichtum, den sie einmal gehabt haben muss, erkennen. Angefangen von den prunkvollen, mit dickem Marmor gepflasterten, oder mit herrlichen Mosaiken verzierten Strassen, die berühmte Celsus-Bibliothek, einem Wasserschloss, Tempelbauten, Thermen, Theatern, bis hin zu den wunderbar ausgemalten Hanghäusern zeugt alles von der Herrlichkeit der Epheser.
Im Jahr 313 n.Chr. wurde das Christentum von Kaiser Konstantin zur offiziellen Staatsreligion erklärt. Es setzte nun eine rege Bautätigkeit ein. Götzentempel wurden zerstört und christliche Kirchen erbaut, die an Pracht und Reichtum die alten Götzentempel bei weitem übertrafen. Es entwickelte sich eine christliche Kultur. Die Zeugnisse dieser einst blühenden christlichen Kultur sind in der ganzen Türkei bis heute noch zu besichtigen. 18 Jahre nach der Ausrufung zur Staatsreligion, im Jahre 431 n.Chr., fand in der Marienkirche das erste Kirchenkonzil in Ephesus statt. Auf diesem Konzil wurde beschlossen, das Maria die Mutter Gottes sei. Die Gegner dieser These, die Nestorianer, wurden daraufhin verbannt, und Nestorius wies man nach Ägypten aus.
Wurden die Christen zuvor noch massiv verfolgt, in dem man sie mißhandelte, tötete oder sie in den Arenen den wilden Tieren zum Fraß vorwarf, so konnten sie nunmehr, nachdem das Christentum Staatsreligion wurde, sehr gut leben. Der Glaube kostete von diesem Zeitpunkt an nichts mehr, sondern im Gegenteil, er brachte sogar gute Geschäfte. So musste es wohl zwangsläufig kommen, dass man den Glauben an Christus mit einem Leben voller Macht und Reichtum gleichsetzte. Es wurden Gesetze beschlossen, wie der einzelne Gläubige zu glauben hatte. Doch mit den wechselnden Herrschern änderten sich diese Gesetze häufig, sodass mit Bedauern festgestellt werden muss, dass sich die Menschen im Namen Christi in der verfolgungslosen Zeit selbst viel Leid antaten. Die vielgerühmte Freiheit in Christus wurde zur Doktrin umgewandelt.
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